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Der ZSZ zugeschickter Leserbrief zu "Das künstliche Superhirn ist kein Genie, sondern ein Fachidiot" vom 17. Juni 17

Das Heimtückische der künstlichen Intelligenz ist wohl, dass die grossen Gefahren erst durch präzises Nachdenken zum Vorschein kommen.

Wir leben bereits heute einerseits in einer Welt, in der durch das Internet so viel abrufbares Wissen wie nie zuvor zur Verfügung steht. Andererseits scheint eine grosse Mehrheit sich immer weniger um die Frage zu kümmern, wie Wissen überhaupt zustande kommt, und wie solid oder brüchig das Fundament verschiedener Erkenntnisse ist. Doch ohne ein sicheres Fundament ist der Rest einsturzgefährdet: vertrauenswürdige Erkenntnisse nur durch vertrauenswürdige Methoden. Dadurch, dass Algorithmen (die Art, wie Computerprogramme arbeiten) Geschäftsgeheimnisse internationaler Konzerne darstellen, wird dieser wichtigste Teil der Wissenschaften, die methodische Grundlage, prinzipiell unkontrollierbar, das Fundament wird morsch. Dazu passt, dass die vagen Ausführungen der Innovationsexpertin von IMB, Karin Vey, nicht dazu beitragen, die Methodik von Watson auch nur ansatzweise zu verstehen. Keine Gefahr? Vor nicht allzu langer Zeit verliessen sich Banken ebenfalls auf komplexe Computerprogramme für die sichere Verpackung von Hypothekenschulden, deren Methodik für die Mehrheit der damit Arbeitenden ebenfalls nicht nachvollziehbar war. Das Resultat und den gigantischen Vertrauensverlust für die ganze Branche kennen wir seit der Finanzkrise.

Künstliche Intelligenz in der Medizin: Datenkuratoren und KI-Supervisoren sollen nach Vey die neuen - wahrscheinlich gigantisch entlöhnten - Stars der Szene werden. Und wer wird diesen zudienen müssen, wenn nicht das übrige medizinische Personal, und noch mehr im administrativen Aufwand ertrinken? Doch bei der Frage nach Versklavung durch KI unterdrückt die Innovationsexpertin bloss höflich ein Lachen...


In der ZSZ vom 17. Mai abgedruckter Leserbrief zu den Ausführungen von Ludwig A. Minelli zu Autonomie am Ende und Anfang des Lebens

Machen Überraschungen nicht den besonderen Wert des Lebens aus? Positive wie beglückende Begegnungen, unerwartete lebensverändernde Erkenntnisse oder gnädige Wendungen wie auch negative Überraschungen, die uns herausfordern oder gar infrage stellen? Ist es nicht so, dass einem das meiste Wichtige im Leben - je nach Weltanschauung - zufällt oder geschenkt wird? Was für eine Anschauung steckt andererseits dahinter, wenn man nicht nur den Tod, sondern auch noch das Leben schon vor der Geburt total im Griff haben will, sodass Herr Minelli kein Problem damit hätte, wenn Eltern ihr Kind vorgeburtlich designen könnten? Ist das nicht ein Menschenbild, das den Kern des Lebens verfehlt? Laufen wir damit nicht Gefahr, das Leben letztlich zu einem Programm zu degradieren? Und ganz konkret: Wie würde sich ein in der Pubertätsphase befindliches Kind wohl fühlen, wenn es darum wüsste, dass seine Eltern seine Gene schon vorgeburtlich nach ihrem Gutdünken „sortiert" hätten? Alle, die einem solch technokratischen Menschenbild nicht zustimmen wollen als unvernünftige, fundamentalistische und unaufgeklärte Zeitgenossen zu desavouieren, wirkt doch ziemlich überheblich.

In der ZSZ vom 1. Feb. abgedruckter Leserbrief zur USR III

Die USR III mag komplex sein. Trotzdem kann sie meiner Meinung nach auf einfache Fragen heruntergebrochen werden. Eine solche Grundsatzfrage: Sollen diejenigen, die hart arbeiten, oder diejenigen, die ihr Geld mit ein paar Klicks am Computer vermehren, stärker besteuert werden? Meine klare Meinung: Geldanleger sollten stärker besteuert werden als Arbeiter. Leider ist es umgekehrt! Diejenigen, die arbeiten, werden in der Schweiz stark besteuert, diejenigen, die Geld z. B. in Aktien anlegen, werden extrem niedrig besteuert. Die USR II verschärfte dieses Ungleichgewicht noch stärker zugunsten der Geldanlage (weniger Dividendenbesteuerung), und die USR III ginge nochmals weiter in diese Richtung (Eigenkapitalzinsabzug). Dies bedenke man in Anbetracht der Tatsache, dass es Jahre gab, in denen schweizweit einige wenige mehr durch Geld anlegen verdienten als die ganze übrige Bevölkerung durch harte Arbeit! Wer nicht will, dass die arbeitende Bevölkerung noch mehr besteuert wird und die Geldanleger noch mehr geschont werden, wird Nein stimmen müssen. Regierungsrat Stocker meinte erst kürzlich, in eine überarbeitete Vorlage würde der Eigenkapitalzinsabzug wohl nicht mehr aufgenommen werden - für mich ein Schritt in die richtige Richtung.


Der Weltwoche zugesandter Leserbrief zu einem Artikel von Roger Köppel über Zwingli

Mich freut es einerseits, dass die Weltwoche ein ganzes „Spezial" zu Zwingli abdruckt, und dass Herr Köppel engagiert Linien von der damaligen Zeit in’s Heute auszieht. Andererseits scheint mir bei dem Satz „Ersetzt man die Worte ‚Söldner‘ und ‚Frankreich‘ durch die Begriffe ‚bilateral‘ und ‚Brüssel‘, sind wir in der Gegenwart“, Zwingli arg zu Gunsten des Redaktors zurechtgebogen. Wo bleiben zudem die viel offensichtlicheren Parallelen zu heute links verorteten Themen? Da sich Zwingli vehement gegen den finanziell lukrativen Export von Kriegern wehrte (Reislaufen), kann man sich nicht vorstellen, dass er heutzutage nicht mit gleicher Vehemenz gegen den finanziell lukrativen Export von Kriegsgerät wettern würde. Ebenso schreibt er in seiner „Ermahnung an die Schwyzer“: „Auch der Verlust von Geld und Reichtum soll Euch nicht kümmern; denn ein Vermögen, für das Leute sterben müssen, ist ein trauriger Reichtum.“ Würde sich Zwingli heute nicht für ein Land schämen, das z. B. gut von Einnahmen vieler Rohstofffirmen lebt, die Menschen durch Vergiftung der Umwelt und Entzug des landwirtschaftlichen Bodens sterben lassen und mit toxischem Schwefelbenzin z. B. in Ghana Kasse machen?

Zitat aus: Zwingli: Schriften. Bd I-IV.TVZ,1995: I, S. 99


Stellungnahme des Pfarrkapitels Horgen zur Flüchtlingskrise