Jeremias Gotthelfs theologische Interpretation der Wirklichkeit

Immer wieder überrascht mich die Selbstverständlichkeit und Kühnheit, mit der Jeremias Gotthelf die beiden Bücher „Bibel“ und „Natur“, wie er selber sagen würde, miteinander verknüpft und verwebt. Hier ein Ausschnitt aus „Jakobs Wanderungen durch die Schweiz, wo er die Naturdenkmäler des Berner Oberlands auf sich wirken lässt:

[Jakob] sah Gletscher in ihrer Farbenpracht und ihrem seltsamen Gezacke, er sah sich umfangen von einer ungeheuren Welt, in welcher das arme Menschenkind unwillkürlich verstummt und demütig wird und nichts empfindet als seine Kleinigkeit. Diese Gefühl ist aber nicht einmal ein peinliches, wie es wird, wenn man gegenüber einem anderen Menschen sein Nichts empfindet, dieses Gefühl ist ein Vorgeschmack der seligen Schauer, welche einst über den Menschen kommen werden, wenn die Auflösung der Rätsel kommen wird, wenn der Allmächtige sich entschleiert. Man weiss es ohne zu denken, dass man einer Grösse gegenüberstehe, zwischen welcher keine Vergleichung ist mit dem eigenen Ich; und wo keine Vergleichung ist, da ist auch kein Neid, sondern nur Ehrfurcht und Andacht und Demut.

aus: Jeremias Gotthelf: Jakobs, des Handwerksgesellen Wanderungen durch die Schweiz, Zürich 1997, S 317